Systemische Führung – Interview mit Martina Engel

Martina-EngelMartina Engel ist systemische Organisationsberaterin, Coach, Supervisorin und Familientherapeutin. Mit Ihrem Slogan „Mit Leichtigkeit zur Lösung“ begleitet sie seit 2006 Organisationen, Selbständige, Privatpersonen, Paare und Familien im Finden und Entwickeln neuer Lösungen für den eigenen Weg.

Seit fünf Jahren ist sie Kooperationspartnerin von Katrin Hessler. Seit 2014 leitet Sie das „Institut Engel“.

Martina, ein kurzes Brainstorming: Was ist für dich Führung? 

F – Folgen
Ü – Überschau
H – Hoffnung
R – Regie
U – Unfassbar
N – Nachhaltig
G – Genussvoll

Spannende Aspekte. Wie merkt ‚man‘, also z.B. deine Klienten und Mitarbeiter, dass du unter dem Aspekt der systemischen Führung arbeitest?

Ich bekomme immer wieder die Rückmeldung, dass es für Kunden, Klienten und Mitarbeiter darum geht, wie ich meine Arbeit tue. Weniger um den Begriff ’systemisch‘, sondern wie ich ihn für mich ergriffen habe und was ich daraus mache.

Und da stecke viel mehr in mir drin als ’nur‘ der systemische Ansatz: Nämlich zum Einen viele Jahre Lebenserfahrung, 4 Kinder, 1 Enkelkind, 28 Jahre Ehe, viele Höhen und Tiefen – eben der ganz normale Wahnsinn *lacht*. Und zum anderen der pädagogische Aspekt in mir. Als ehemalige Kindergärtnerin sehe ich immer auch die kindlichen Teile in jedem – mit allen Talenten, Ressourcen, Ängsten und vor allem Prägungen. Ich möchte die Talente und Potenziale in jedem zum Leben zu erwecken. Dabei versuche ich den Kunden, Klienten und seine Geschichte immer unter all den Blickwinkeln zu sehen, die Ihn ausmachen, um ein ganzheitliches Begreifen zu ermöglichen.

Wie bist du selbst zur systemischen Arbeit gekommen?

Ich glaube – wie so viele – durch Eigenarbeit und weil das, was daraus entstanden ist, mich begeistert hat. Meine damalige systemische Beraterin sagte mir: „Du kannst das. Das ist was für dich. Unterschreib!“ Und damit begann ich meine erste Ausbildung.

Was hat sich seitdem verändert?

Oh, ziemlich viel in meinem Leben. Ein wichtiger Aspekt war, dass ich meine Ursprungswurzeln verlassen konnte, nachdem ich im Innern klar war, Wurzeln bleiben immer ein Teil von mir. Mit der Kraft dieser Entscheidung ging der Weg zum Familienzentrum Engel ganz leicht, da ich meiner ureigensten Berufung folgte.

Entstanden aus einer Workshopreihe 2011 hast du selbst eine Weiterbildung ins Leben gerufen: Systemische Führungskompetenz. Wie kam es dazu und was willst du damit bezwecken?

Ich wollte etwas in die Welt stellen, das Menschen weiterbringt. Die Workshopreihe war die „Vorarbeit“, in mir gab es die Weiterbildung schon längst. Mein Anliegen ist es, mit den Menschen die in Ihnen liegenden Ressourcen zu entdecken. Das Wort Ressource kommt aus dem lateinischen „resugere“ und bedeutet: hervorquellen. Diese Quelle, die in uns liegt, möchte ich – begleitend – zum Sprudeln bringen. Indem jede/r Einzelne von uns begreifen darf, dass erreicht werden kann, was wirklich dem eigenen Willen entspringt.

In der Weiterbildung stelle ich das Handwerkszeug für das Eigene zur Verfügung und gebe mit den Rahmen, damit das Passende gefunden werden kann. In erster Linie geht es darum, die eigenen Kompetenzen, Stärken und Quellen zu leben. Dafür wird ein Bewusstsein geschaffen, das im Mensch Vorhandene sichtbar zu machen: Was steckt wirklich in mir und was davon will ich leben, beruflich, privat, wo auch immer. Es geht darum, herauszufinden, was ich wirklich tun will, statt darum, was andere denken, was ich tun sollte.

Die Inhalte und Methoden der Weiterbildung wandeln wir permanent, um sie an die Bedürfnisse der Teilnehmer anzupassen. Der rote Faden entwickelt sich an den Menschen. Da wird auch schon mal experimentiert und es entstehen neue Möglichkeiten und Modelle für alle Bereiche des Lebens.

Wenn es ein Schatzkästchen gäbe, in das du für jeden Teilnehmer drei Sachen reinpacken würdest, die du ihr / ihm wünschst, welche wären das?

Das Schatzkästchen darf jeder für sich selbst füllen. Ich helfe zu entdecken, was er oder sie reinpacken möchten, was für den Einzelnen förderlich, ein Gewinn für sein Leben ist, bzw. finde, was schon im Schatzkästchen verborgen liegt und entdeckt werden möchte. Dabei betrachten wir auch den Schlamm des Lebens, um die Klarheit darunter zu Tage zu fördern und gehe mit auf Expedition wie bei Robinson Crusoe.

Gibt es abschießend noch etwas, das du gerne loswerden möchtest?

Ich kann nur sagen, es ist etwas ganz Wertvolles, das Eigene zu leben; sich wirklich selbst entscheiden zu können. Die eigene Berufung jeden Tag aufs Neue zu erleben ist für mich das größte Glück und beschenkt mich mit Zufriedenheit. Und für mich als Beraterin, Coach und Supervisorin, sowie Familientherapeutin würde ich gerne an der ein oder anderen Stelle mit dem Unfug in der Welt aufräumen. Da gibt es so vieles. Aber das gehört nicht hier her. Wer neugierig geworden ist, dem erzähle ich das gerne mal bei einem Glas Wein, einfach nur als Martina Engel 🙂

Martina, vielen Dank für das Gespräch. Bekomme ich jetzt ein Glas Wein?