Systemisches Stressmanagement – Interview mit Matthias Belikan

Matthias-BelikanMatthias Belikan ist Systemischer Berater, Coach, Supervisor, Organisations- und FengShui-Berater. Er hält Vorträge und leitet Seminare zu den Themen Burnoutprävention, Stressmanagement, Kommunikation und Wahrnehmung. Er berät Unternehmen bundesweit.

Zuvor war er leitender Angestellter mit einer regelmäßigen 60-Stunden-Woche. Seit seinem eigenen Burnout vor über 10 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Stressmanagement.

 

 

Matthias, du bist FengShui-Berater, Systemischer Berater, Supervisor, Coach und Organisationsberater. Was verbindet diese Tätigkeiten miteinander?

Also zunächst einmal mag ich Abwechslung. Monotone Tätigkeiten oder sehr eng eingekreiste Themengebiete sind ganz schlimm für mich. Daher habe ich meine eigenen Tätigkeitsfelder kreiert. Das breit gefächerte Spektrum führt außerdem dazu, dass ich nicht in eine Hamsterrad-Situation gerate. Auch wenn ja das Hamsterrad – von innen betrachtet – oft wie eine Karriereleiter aussieht ☺

Zudem merke ich häufig, dass die verschiedenen Bereiche in meiner täglichen Arbeit miteinander verbunden sind. Für FengShui-Beratungen werde ich in private Haushalte und auch in Firmen gerufen. Wenn es im Gespräch mit Kunden um Ziele und Wünsche der Beratung geht, kommen wir oft an Punkte, die sich dann über die Systemische Beratung ergänzen lassen.

Zum Beispiel gab es einen Fall, da sollte ich bei einer Wohnungsberatung die Betten der Kinder neu ausrichten. Ziel war, dass die Kinder besser schlafen sollten. Im Gespräch mit der Mutter wurde dann klar, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte, nicht genug für die Kinder da zu sein, was durch eine Kaiserschnittgeburt bei einem Kind ausgelöst worden war. Die Ausrichtung der Betten und die Systemische Beratung haben beide dazu beigtragen, dass sich die Gesamtsituation verändern konnte. Die Kinder haben danach wesentlich besser geschlafen.

Was ist für dich Systemische Führungskompetenz?

Systemische Führungskompetenz ist für mich eine Grundeinstellung, die jemand entwickelt, die ihn bzw. sie dazu befähigt, nicht nur effektiv zu führen und zu motivieren, sondern auch, dass für den Mitarbeiter, die Führungskraft selbst und den Betrieb das beste Ergebnis erzielt wird und dies auch nachhaltig ist.

Was heißt das beste Ergebnis, das klingt für mich in erster Linie nach Leistung, Output…?

Die Antwort ist sehr umfangreich: Da geht es unter anderem darum, die Leute in die Lage zu versetzen, ihre Selbstwirksamkeit erleben und im Betrieb und bei der Arbeit ausleben zu können – was auch zu besserer Leistung führt…

Du hast als Supervisor die Teilnehmer der ersten Weiterbildungsgruppe 2012 / 2013 begleitet. Wie hast du aus dieser Rolle heraus deren Entwicklung wahrgenommen und wie würdest du sie beschreiben?

Mich persönlich hat am meisten ein Teilnehmer beeindruckt. Dieser war schon sehr erfolgreich mit seinen bisherigen Führungsmethoden, ist jedoch bei gewissen Punkten an Grenzen gestoßen. Durch die Weiterbildung ist es ihm gelungen, sich zu hinterfragen. Er konnte so seine Einstellung und Methodik grundlegend verändern.

Für mich hat er eine starke persönliche Entwicklung gemacht, hat sich in seiner persönlichen Ausstrahlung verändert, er ist wesentlich authentischer in der Interaktion geworden. Dieser Fall zeigt mir, was möglich ist durch die Weiterbildung.

Ab Herbst 2014 leitest du das Seminar „Systemisches Stressmanagement und Burnout-Prävention“ im Institut Engel. Was können die Teilnehmer darin erwarten?

Das Seminar bietet die Möglichkeit, die eigenen Stressoren zu identifizieren und Bestandaufnahme zu machen bei den bisherigen Bewältigungsstrategien. Es geht darum, für die eigene Situation passgenaue Werkzeuge zu entwickeln, um ein konstruktives Umgehen mit nicht zu verändernden Gegebenheiten zu ermöglichen.

Bei den Suchworten „Stress und Burnout“ liefert Google über 10 Millionen Treffer. Auch ich habe den Eindruck, dass diese Worte nicht nur zum Alltag der arbeitenden Bevölkerung geworden sind, sondern sogar Kinder davon betroffen sind und selbst der „Freizeitstress“ immer größer wird. Was verbirgt sich deiner Meinung dahinter?

Zwei Dinge: Zum einen ein Medieneffekt. Dadurch, dass Stress und Burnout Dauerthema in den Medien sind, kommen Leute eher dazu zu sagen „ich bin stress- oder burnout-gefährdet“, es ist teilweise Mode geworden. Zum anderen ist es Tatsache, dass die Veränderungszyklen kürzer werden: Die technische Entwicklung läuft rasant, Kommunikationsmittel verändern sich; hinzu kommt die gesellschaftliche Entwicklung. Veränderung bedeutet Stress für viele Menschen. Dadurch ist der Grund-Stress-Level für viele gestiegen und damit auch die Gefahr in eine bedrohliche Stressdynamik zu geraten.

Was unterscheidet dein Seminar von anderen zum Thema Stress und Burnout?

Der systemische Ansatz. Beispielsweise können Menschen, die mit ihrer eigenen Reaktion auf Stress hadern – z.B. wenn sie ärgerlich oder wütend werden – erkennen, dass in Wut auch Kraft steckt und damit ein Kraftpotenzial entdecken, das sie auch konstruktiv für sich nutzen können. Das Gleiche kann für eine Reaktion von Rückzug, Depression und Melancholie gelten. Diese Reaktionen können vielleicht als „Freund“ erkannt werden, der darauf hinweist, Pause zu machen, zu verlangsamen und zu merken, dass jemand sich offensichtlich im Hamsterrad befindet.

Wenn es ein Schatzkästchen gäbe, in das du drei Dinge legen könntest, die du allen gestressten Menschen wünschst, welche wären das?

Das wären:
1. Der Mut zur ehrlichen Bestandsaufnahme,
2. der Wille gut für sich selbst zu sorgen und
3. die Offenheit die eigenen wirklichen Bedürfnisse auch anzuerkennen.

Aus deinen vielfältigen Tätigkeiten kann ich mir vorstellen, dass es auch in deinem Alltag mal turbulent wird. Wie gehst du selbst mit Stress um?

Es gibt natürlich auch Situationen, in denen ich Stress spüre. Ich bin niemand, der die Erleuchtung erlebt hat und jetzt Guru ist. Ich stelle auch fest, dass mich Sachen stressen und habe Strategien entwickelt, um ungesunde Stressdynamiken zu stoppen. Früher war z.B. das Autofahren eine typische Stress-Spirale: Bei Stau gab es Stress, anderen fuhren nie so, wie ich das wollte, es folgte Termindruck. In akuten Stress-Situationen, in denen ich Stress-Reaktionen spüre, hilft mir jetzt beispielsweise eine Atemübung mich herunterzuholen aus der Fokussierung auf das Problem. Das bringt mir dann Entkrampfung.

Das ist ein kleines Beispiel von mir, eine Möglichkeit; jeder sollte individuell herausfinden, was ihm bzw. ihr hilft. Im Seminar gebe ich einen Überblick über einige Methoden, die es dafür gibt. Wir machen außerdem Übungen zur Eigen- und Fremdwahrnehmung, üben anders zu kommunizieren und vieles mehr.

Ich freue mich schon auf das Seminar!

Wir freuen uns auch, vielen Dank für das Gespräch!